Recap: DHC Life Sciences Days 2026
SAP AI im GxP-Umfeld – vom Use Case zur validierten Realität
Am 16. und 17. September 2026 öffnete die DHC Dr. Herterich & Consultants GmbH in Saarbrücken erneut ihre Türen zu den DHC Life Sciences Days.
Unter dem Motto „SAP AI in GxP – vom Use Case zur validierten Realität“ standen in diesem Jahr die aktuellen Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz, SAP Business AI und die besonderen Anforderungen regulierter Unternehmen im Mittelpunkt.
Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr wurde die Veranstaltung in diesem Jahr erstmals als zweitägiges Format mit jeweils einem halben Veranstaltungstag durchgeführt. Das erwies sich als ideal, um ein umfangreiches fachliches Programm mit ausreichend Raum für persönliche Gespräche und Networking zu verbinden. Die zentrale Frage zog sich dabei wie ein roter Faden durch beide Veranstaltungstage:
Wie lassen sich SAP AI-Innovationen im GxP-Umfeld compliant betreiben, qualifizieren und validieren?
Video-Recap: DHC Life Sciences Days 2026
Tag 1: AI & Cloud – von der Vision zur Anwendung
Den ersten Veranstaltungstag eröffneten Dr. Rudi Herterich, Geschäftsführer der DHC, und Karsten Schulz, Director Sales, Marketing & Business Development. In ihrer Begrüssung ordneten sie die rasante Entwicklung von SAP AI in die Realität regulierter Unternehmen ein:
Wenn Künstliche Intelligenz zunehmend Bestandteil von Standardprozessen wird, müssen Fragen zu Datenqualität, Governance, Auditierbarkeit und Validierung von Anfang an mitgedacht werden.
Ein zentraler Bestandteil des Eröffnungsvortrags war die DHC Compliance Factory. Sie verbindet Beratung, Validierung und digitale Tools, um GxP-Compliance über den gesamten Systemlebenszyklus hinweg effizient, nachvollziehbar und auditsicher zu gestalten – insbesondere bei Cloud-Systemen und häufigen Release-Wechseln.
SAPs Vision vom Autonomous Enterprise
Timo Vogelgesang, Head of Product Management – SAP BRH for Life Sciences, Sascha Schlick, E2E Product Manager – SCM for Life Sciences und Dr. Christian Lander, Product Manager von SAP, zeigten in ihrer Keynote und dem anschliessenden Beitrag zu Agentic AI, wie sich SAP Business AI, Joule und agentische KI künftig in Geschäftsprozesse der Life-Sciences-Industrie integrieren lassen. Im Mittelpunkt standen autonome Prozessketten und die Frage, wie viel Autonomie in einem regulierten Prozess sinnvoll ist.
Klar wurde: Verlässliche Daten, tiefes Prozesswissen, Governance und der Human-in-the-Loop bleiben entscheidend.
SAP Cloud ALM und autonomes Application Lifecycle Management
Lisa Sanders, Product Expert Application Lifecycle Management Cloud bei SAP, stellte SAP Cloud ALM als cloudbasierte Grundlage für eine effiziente, zukunftssichere SAP-Implementierung & Validierung sowie das Application Lifecycle Management vor. Die Plattform soll künftig stärker automatisierte und agentenunterstützte Abläufe ermöglichen und dabei Dokumentation, Tests und Changes nachvollziehbar miteinander verbinden.
AI im Qualitätsmanagement
Timo Guhl, Product Manager, ERP PCE PM Prog. Delivery, SAP, zeigte konkrete AI Use Cases im Qualitätsmanagement – von der intelligenten Navigation und Suche bis zur Verarbeitung von Qualitätszertifikaten und der KI-gestützten Erfassung von Qualitätsmeldungen.
Dabei zeigt sich die zentrale Rolle des Menschen: Die KI unterstützt, die verantwortlichen Mitarbeitenden prüfen und entscheiden.
Von der Vision zur Wirklichkeit
Zum Abschluss des ersten Tages richtete Karsten Schulz den Blick auf die Voraussetzungen für erfolgreichen KI-Einsatz: Datenqualität, standardisierte Prozesse, AI Governance, regulatorische Anforderungen und die Einbindung der Mitarbeitenden. Seine Botschaft: AI ist bereit – entscheidend ist, ob auch die Organisation bereit ist.
Gemeinsamer Ausklang im Weinbistro HAUCK
Nach dem fachlich intensiven Halbtag klang der Abend im Weinbistro HAUCK gemeinsam aus. Die offene Atmosphäre bot viel Raum, neue Kontakte zu knüpfen und bekannte Gespräche in entspannter Umgebung fortzusetzen.
Tag 2: AI & GxP Compliance – bewährte Prinzipien weiterdenken
Der zweite Tag begann mit der Frage, wie sich die neuen Möglichkeiten von AI in die bewährte GxP-Welt einordnen lassen.
Keynote: SAP AI (GxP) Compliance – Muss das Rad neu erfunden werden?
Robert Geiger-Lebailly, Product Owner GxP Compliance von SAP zeigte, dass die grundlegenden Prinzipien der GxP-Compliance auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz bestehen bleiben. Risikobasierung, Datenintegrität, Nachvollziehbarkeit und dokumentierter Nachweis der Eignung bilden weiterhin das Fundament. Gleichzeitig stellen probabilistische Ergebnisse, sich verändernde Modelle und kürzere Release-Zyklen die klassischen Validierungsansätze vor neue Herausforderungen.
Dieser Vortrag gibt einen Einblick zum Stand der AI-Regulierung, der Umsetzung von Anforderungen bei SAP und wie grundsätzliche GxP Compliance Anforderungen bereits heute adressiert werden.
AI & GxP Compliance – aktuelle Regularien und Herausforderungen
Stefan Krieg, Practice Manager – IT Compliance der DHC AG, vertiefte anschliessend die regulatorische und praktische Perspektive. Er gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen wie den EU AI Act, ISO/IEC 42001, den Draft Annex 22 und den ISPE GAMP AI Guide und ordnete sie in die Validierungspraxis ein.
Besonders wichtig war die Unterscheidung zwischen der GxP-Kritikalität eines Systems und seiner Kritikalität nach der KI-Verordnung. Entscheidend sind der konkrete Verwendungszweck sowie mögliche Auswirkungen auf Patientensicherheit, Produktqualität, Datenintegrität, Gesundheit, Sicherheit und Grundrechte. Daraus leiten sich die notwendigen Compliance-Aktivitäten und die Tiefe von Risikoanalyse, Spezifikation, Test und laufender Überwachung ab.
Der klassische risikobasierte CSV-Ansatz wird damit nicht ersetzt, sondern um KI-spezifische Risiken ergänzt. Dazu gehören unter anderem Model Drift, Daten- und Cybersecurity-Risiken sowie Betriebs- und Anwenderrisiken. Gerade diese Verbindung von bewährter Validierung und neuen KI-Anforderungen war ein zentraler Impuls des zweiten Tages.
Qualifizierung, Toolchain und digitale Validierung
Florian Kattner, Product Manager CSQ von p36, zeigte am Beispiel der SAP BTP, warum Qualifizierung in dynamischen Cloud-Umgebungen kein einmaliger Zustand sein kann. Stattdessen braucht es kontinuierliche Assurance: Änderungen erkennen, Auswirkungen bewerten, gezielt verifizieren und Nachweise sichern.
Florian Rauch, Senior Consultant bei SIRIUS Consulting & Training, widmete sich dem Übergang vom SAP Solution Manager zu einer cloudbasierten Toolchain. SAP Cloud ALM ist dabei kein einfacher 1:1-Nachfolger, sondern eine neu entwickelte Plattform mit regelmässigen Erweiterungen und Schnittstellen für integrierte Toolchains.
Den fachlichen Abschluss bildete Dominik Hubertus, Director Innovation & Technology der DHC, mit Use Cases zum DHC Smart Validation Accelerator.
Die zentrale Botschaft: Validierung darf nicht hinter dem Change herlaufen – sie muss den Change begleiten. Durch die Integration in SAP Cloud ALM lassen sich Validierungsobjekte, Risiken, Tests, Freigaben und Nachweise digital miteinander verknüpfen.
Feedback und ein gelungener Abschluss
Ausblick
Die DHC Life Sciences Days 2026 haben damit gezeigt: Der Weg zu AI im GxP-Umfeld führt weder an der Technologie vorbei noch an der Compliance. Entscheidend ist die Verbindung beider Perspektiven. SAP liefert neue Möglichkeiten für autonome und intelligente Prozesse. Unternehmen müssen gleichzeitig die Voraussetzungen schaffen, um diese Innovationen sicher, nachvollziehbar und validiert in die Praxis zu bringen:
Die DHC bedankt sich bei allen Referentinnen und Referenten, Partnern und Teilnehmenden für zwei inspirierende, fachlich intensive und zugleich sehr persönliche Veranstaltungstage in Saarbrücken.
DHC Life Sciences Days 2026
Wie Unternehmen SAP AI im GxP-Umfeld mit Compliance Factory, SAP Cloud ALM und digitaler Validierung sicher in die Praxis bringen.