Nach der S/4HANA-Einführung: So realisieren Life-Sciences-Unternehmen echten Mehrwert
S/4HANA nach dem Go-live: Warum der eigentliche Mehrwert erst jetzt beginnt
Der technische Releasewechsel auf SAP S/4HANA ist vollzogen – ein Meilenstein, der erhebliche Zeit, Budget und Energie gekostet hat. Viele Unternehmen in der Life-Sciences-Industrie befinden sich jetzt an genau diesem Punkt: Das neue System läuft, aber es fühlt sich noch ähnlich an wie das alte.
Warum?
Weil ein Brownfield-Ansatz bewusst auf Risikominimierung und Kontinuität gesetzt wurde: bestehende Prozesse, gewohnte Oberflächen, vertraute Reports. Das ist in vielen Unternehmen richtig und wichtig für einen reibungslosen Übergang. Doch die eigentliche Transformation beginnt erst jetzt – und sie entscheidet darüber, ob Ihr S/4HANA-Projekt eine Konsolidierungsmaßnahme bleibt oder zur Grundlage für echten Wettbewerbsvorsprung wird.
Welche konkreten nächsten Schritte haben sich also bewährt auf der Reise zu einem SAP S/4HANA, in welchem neue Möglichkeiten und Potenziale auch tatsächlich ausgeschöpft werden?
Von SAP GUI zu SAP Fiori: Benutzererfahrung als Effizienzfaktor
SAP Fiori ist keine kosmetische Veränderung. Es ist ein paradigmatischer Wechsel: weg von der komplexen, menügetriebenen SAP-GUI-Welt, hin zu rollenbasierten, aufgabenzentrierten Anwendungen, welche auf jedem Endgerät funktionieren.
Für Unternehmen in regulierten Branchen hat das eine zusätzliche Dimension: Fiori-Apps sind so gestaltet, dass weniger Klicks nötig sind, Fehlbedienungen sinken und Audit-Trails transparent bleiben.
Was konkret zu tun ist
Fiori-Readiness-Assessment
Welche Ihrer am häufigsten genutzten Transaktionen haben bereits ausgereifte Fiori-Äquivalente?
Welche Apps bieten neue Funktionen, welche im GUI so nicht zur Verfügung stehen und für Zusatznutzen hinsichtlich Transparenz und Effizienz sorgen?
Rollenbasiertes Launchpad-Design
Nicht alle Fiori-Apps für alle – sondern die richtigen im schnellen Zugriff ohne Klicken und Scrollen.
Change Management und Schulung
Die größte Hürde ist nicht technisch, sondern kulturell. Nutzerakzeptanz entsteht durch Einbindung.
CSV-Bewertung
Im regulierten Umfeld erfordert die Aktivierung neuer Fiori-Apps eine strukturierte Risikobewertung, und allfällige Tests sind einzuplanen.
Erfahrungswert aus der Praxis: Unternehmen, die nach dem Releasewechsel systematisch auf Fiori umsteigen, berichten von einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit aufgrund einer modernen, innovativen Arbeitsumgebung sowie einer Effizienz- und Transparenzsteigerung durch integrierte Volltextsuche, Management-Apps und weitere nützliche Features.
Embedded Analytics: Schluss mit Z-Reports und Legacy-Queries
In vielen Brownfield-Projekten wurden tausende Zeilen ABAP-Code in Form von Z-Reports und Custom-Queries migriert. Sie laufen – aber sie haben ihren Preis: hohe Wartungskosten, Abhängigkeit von Entwicklerressourcen, fehlende Real-Time-Fähigkeit und wachsende Kompatibilitätsprobleme bei künftigen Updates.
SAP S/4HANA bietet mit der integrierten Embedded-Analytics-Plattform eine native Alternative, die direkt auf den HANA-Daten operiert – ohne Datenexport, ohne Verzögerung.
Vorgehen
Custom-Code-Analyse
SAP-eigene Tools, zum Beispiel die Custom Code Migration App, identifizieren Redundanzen und Standardisierungspotenziale.
Priorisierung nach Business Impact
Welche Reports werden täglich genutzt? Welche nur für periodische Abschlüsse?
Schrittweise Migration auf CDS-basierte Berichte
Ein Parallelbetrieb ermöglicht die laufende Verifikation der Datenintegrität neuer Auswertungen.
Für GxP-relevante Reports
Durchführung der notwendigen Validierungsaktivitäten gemäß Change-Control-Verfahren.
Prozessoptimierung: Von Lift & Shift zur echten S/4HANA-Logik
Brownfield bedeutete für viele: Die alten Prozesse wurden 1:1 in das neue System übertragen. Das war richtig für die Migration.
Aber SAP S/4HANA arbeitet mit einem vereinfachten Datenmodell – kein klassisches Hauptbuch mehr, vereinheitlichtes Material-Ledger, zentralisierte Business Partner – welches neue Möglichkeiten eröffnet, wenn die Prozesse entsprechend angepasst werden. Darüber hinaus ist zu prüfen, welche Funktionalitäten gegebenenfalls im Kompatibilitätsmodus genutzt und durch neue Features abgelöst werden.
Konkrete Hebel für Life-Sciences-Unternehmen
Stammdaten-Governance
Business Partner als zentrales Objekt konsequent nutzen, Dubletten bereinigen, Master Data Governance (MDG) einführen.
Auslaufende Funktionen
Prüfung, welche genutzten Funktionen mit einem Ablaufdatum versehen sind, etwa WM, PP-DS Plantafel oder Transportwesen, und Planung der notwendigen Aktivitäten zur Ablösung.
Artificial Intelligence
An welchen Stellen der Supply Chain kann der Einsatz von AI einen Zusatznutzen generieren, welche Szenarien stellt die SAP bereits zur Verfügung?
Compliance und CSV nach der S/4HANA-Einführung mitdenken
Für Unternehmen in der Life-Sciences-Branche ist jede Systemänderung nach der Einführung auch eine Compliance-Entscheidung. Jede neue Fiori-App, jeder veränderte Prozess, erfordert ein kontrolliertes Verfahren.
Was häufig unterschätzt wird: Der Releasewechsel selbst wurde in der Regel über ein Change-Control-Verfahren abgedeckt. Die nachgelagerte Optimierung jedoch besteht oft aus vielen kleinen Änderungen – jede für sich handhabbar, in der Summe aber mit erheblichem Dokumentationsaufwand verbunden, wenn kein strukturiertes Vorgehen existiert.
Empfehlung
- Etablieren Sie einen schlanken, risikobasierten Change-Control-Prozess für Post-Go-live-Änderungen gemäß GAMP 5 und EU-GMP Annex 11.
- Nutzen Sie das Prinzip der kategorisierten Änderungen: Nicht alles braucht eine vollständige Revalidierung.
- Setzen Sie auf ein Validation Lifecycle Management Tool oder eine strukturierte SAP-Solution-Documentation, um Änderungen nachvollziehbar zu dokumentieren.
- Denken Sie Audit-Trail-Anforderungen gemäß 21 CFR Part 11 und Annex 11 direkt bei der Konfiguration neuer Funktionen mit.
Managed Services und Application Support:
Betrieb strategisch gestalten
Nach der Einführung verlagert sich der Fokus vom Projekt- in den Betriebsmodus. Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand, der notwendig ist, um ein S/4HANA-System aktuell, stabil und compliant zu halten – insbesondere mit den regelmäßigen SAP-Update-Zyklen.
SAP Application Management Services (AMS)
Strukturierter Support mit definierten Service Levels, der auch regulatorische Anforderungen an die Änderungsdokumentation erfüllt.
Continuous Improvement Backlog
Kein einmaliges Optimierungsprojekt, sondern ein lebender Prozess – mit priorisierten Anforderungen, quartalsweisen Reviews und messbaren KPIs.
Update-Management
SAP veröffentlicht regelmäßig Enhancement Packages und Feature Updates. Ein strukturierter Prozess zur Bewertung, Testung und Dokumentation dieser Updates ist für validierte Systeme unabdingbar.
Wo anfangen? Ein Orientierungsrahmen für die Zeit nach der S/4HANA-Einführung
Nicht alle Maßnahmen sind gleich priorisiert. Die folgende Einordnung hat sich in der Praxis bewährt.
Kurzfristig (0–6 Monate): Quick Wins
- Low-hanging-fruit-Apps identifizieren und Fiori-Launchpad für diese aktivieren
- Custom-Code-Scan und erste Identifikation von Redundanzen
Mittelfristig (6–18 Monate): Strukturelle Verbesserungen
- Migration priorisierter Z-Reports auf Embedded Analytics
- Prozessneugestaltung in Kernbereichen
- Stammdaten-Governance-Programm starten
Längerfristig (18+ Monate): Strategische Transformation
- BTP-Integrationslandschaft aufbauen und modernisieren
- Managed Services für dauerhaften, compliant Betrieb etablieren
- KI-gestützte Funktionen wie SAP Joule und Predictive Analytics evaluieren
Fazit: Der Releasewechsel war der Startschuss
S/4HANA entfaltet seinen vollen Nutzen nicht am Go-live-Tag, sondern in den Monaten und Jahren danach – wenn Unternehmen konsequent die neuen Möglichkeiten nutzen, die das System bietet.
Besonders in der Life-Sciences-Branche, wo regulatorische Anforderungen und operative Exzellenz untrennbar verknüpft sind, zahlt sich eine strukturierte Post-Go-live-Strategie doppelt aus: Sie steigert Effizienz und Transparenz und macht gleichzeitig das System auditsicherer.
Der nächste Schritt muss kein großes Programm sein. Ein strukturiertes Assessment, das den Ist-Zustand erfasst und die größten Hebel identifiziert, ist oft der wirksamste Einstieg.
DHC unterstützt Sie dabei – mit dem Blick für das Technische und das Regulatorische zugleich.
Ihr nächster Schritt: DHC S/4HANA Value Workshop
Wissen, wo man steht. Wissen, wohin man geht. Genau das ist das Ziel unseres kompakten Vor-Ort-Workshops – konzipiert für Unternehmen in der Life-Sciences-Branche, die ihren S/4HANA-Betrieb nach dem Releasewechsel gezielt weiterentwickeln wollen.
Was Sie mitnehmen
Systemcheck und Reifegrad-Bewertung
Gemeinsame Bestandsaufnahme Ihres S/4HANA-Systems: Nutzungsgrad von Fiori und Standard-Funktionen, Custom-Code-Volumen, Reporting-Landschaft, Integrationsstatus und offene Compliance-Themen.
Identifikation konkreter Optimierungspotenziale
Wo liegen Ihre größten Hebel? Welche Maßnahmen entfalten schnell Wirkung, welche erfordern längerfristige Planung? Wir strukturieren gemeinsam Ihren persönlichen Optimierungs-Backlog.
Priorisierter Maßnahmenplan
Sie verlassen den Workshop mit einer klaren Roadmap: priorisierte Maßnahmen und ein gemeinsames Verständnis der nächsten Schritte – abgestimmt auf Ihre Ressourcen, Ihr Budget und Ihre regulatorischen Anforderungen.
Compliance-Check für Post-Go-live-Änderungen
Unsere Experten für Computer System Validation und GxP-Compliance bewerten gemeinsam mit Ihnen, welche geplanten Änderungen validierungsrelevant sind – und wie Sie diese effizient und audit-sicher umsetzen.
Format und Ablauf
- Dauer: 1 bis 2 Tage vor Ort bei Ihnen im Unternehmen
- Teilnehmer: IT-Leitung, SAP-Key-User, Qualitätsmanagement, gegebenenfalls Geschäftsführung
- DHC-Team: SAP-Berater mit Life-Sciences-Erfahrung und CSV-/GxP-Experte
- Ergebnis: Schriftliche Zusammenfassung mit priorisiertem Maßnahmenplan und nächsten Schritten
„Der Workshop kostet Sie einen Tag Ihres Teams – und erspart Ihnen Monate der Orientierungslosigkeit.“
Sie haben Interesse am S/4HANA Value Workshop?
Vereinbaren Sie jetzt ganz unverbindlich ein erstes Infogespräch, in dem wir Ihre Ausgangssituation, die Zielsetzung des Workshops, die relevanten Teilnehmerkreise sowie den sinnvollen fachlichen und regulatorischen Zuschnitt besprechen können.
Häufige Fragen zur Optimierung von S/4HANA nach Go-Live
Was kommt nach der S/4HANA-Einführung?
Nach dem technischen Go-live beginnt die eigentliche Optimierung. Dazu gehören unter anderem der Umstieg auf Fiori, die Nutzung von Embedded Analytics, Prozessoptimierungen, Compliance-Absicherung und ein strukturierter Verbesserungsplan für den laufenden Betrieb.
Warum reicht ein Brownfield-Ansatz allein nicht aus?
Ein Brownfield-Ansatz minimiert Risiken beim Übergang, übernimmt aber häufig bestehende Prozesse, Reports und Oberflächen nahezu unverändert. Der eigentliche Mehrwert von SAP S/4HANA entsteht oft erst durch die nachgelagerte Optimierung.
Welche Rolle spielt Fiori nach dem Releasewechsel?
SAP Fiori verbessert Benutzerfreundlichkeit, Transparenz und Effizienz. Gerade in regulierten Branchen kann der Umstieg zusätzlich helfen, Fehlbedienungen zu reduzieren und Audit-Trails besser nachvollziehbar zu machen.
Warum sollten Unternehmen Z-Reports durch Embedded Analytics prüfen?
Z-Reports und Legacy-Queries verursachen Wartungsaufwand, sind häufig wenig flexibel und erschweren künftige Updates. Embedded Analytics bietet eine native, HANA-basierte Alternative mit Echtzeitfähigkeit.
Was bringt ein S/4HANA Value Workshop?
Ein Workshop schafft Klarheit über Reifegrad, Optimierungspotenziale, Compliance-Anforderungen und Prioritäten. Unternehmen erhalten einen strukturierten Maßnahmenplan für die Zeit nach dem Go-live.