QM-Innovationen in SAP S/4HANA – Was die Public Cloud für QM bereithält

Erfahren Sie, welche Neuerungen SAP im Bereich Qualitätsmanagement in der Public Cloud eingeführt hat – von KI-gestützter Zeugnisverarbeitung über die neue Lieferantenreklamation bis hin zu einer ambitionierten Roadmap mit digitaler Signatur und KI-Agenten.
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Thomas Amlung, Practice Manager - QM mit SAP, DHC GmbH
Abstraktes Glassmorphism-Keyvisual zu SAP QM Public Cloud: KI-gestützte Zeugnisverarbeitung, Lieferantenreklamation sowie Audit-Trail- und E‑Signatur-Roadmap.

Die Public Cloud als Innovationsmotor im SAP QM

Im SAP Quality Management übernimmt die Public Cloud zunehmend die Rolle des Vorreiters: Neue Funktionen und KI-Anwendungsfälle erscheinen hier früher als in der Private Cloud – und geben damit einen Ausblick auf das, was regulierten Unternehmen in allen Deployment-Varianten perspektivisch zur Verfügung stehen wird.

Zwei Themen stehen dabei im Mittelpunkt des aktuellen Releases: die KI-gestützte Verarbeitung eingehender Lieferantenzeugnisse und die lang erwartete Fiori App für Lieferantenreklamationen. Ergänzt wird das durch eine Reihe von Basisinnovationen und eine Roadmap, die QM-Verantwortliche in regulierten Branchen aufhorchen lässt.

Basisinnovationen im SAP QM der Public Cloud: Flexibler, offener, integrierbarer

Bevor es zu den Highlights geht, lohnt ein Blick auf die Basisverbesserungen, die das Fundament für künftige Innovationen legen:

App-as-an-Entity

Fiori-Apps können nun direkt einzelnen Benutzern zugeordnet werden – ohne den bisherigen Umweg über Business-Kataloge. Das vereinfacht die Berechtigungsverwaltung und gibt Administratoren mehr Flexibilität.

Externes Output Management

Zertifikate, Defekt-Formulare und Qualitätsmeldungen lassen sich jetzt über drei Kanäle ausgeben: Ausdruck, E-Mail und XML-Versand über das neue externe Output Management. Besonders für Unternehmen mit Massenverarbeitung oder aufwendigen Formularanforderungen ist das eine wichtige Neuerung.

Joule als KI-Copilot im Qualitätsmanagement

Der KI-Assistent Joule ist direkt in die QM-Apps integriert. Anwender können während ihrer Arbeit Kontextinformationen zu Objekten abrufen und gezielt suchen – etwa: „Zeige mir alle Defects der letzten Woche zu diesem Material“ – und direkt aus den Ergebnissen in die entsprechenden Apps navigieren.

Dokumentarische Merkmale in der Ergebniserfassung

Merkmale mit rein dokumentarischem Charakter – also solche, bei denen kein Messwert erwartet wird, sondern nur eine Information dokumentiert werden soll – wurden bisher in der Fiori-Ergebniserfassung ausgeblendet. Diese Lücke ist nun geschlossen.

Schwerpunkt 1: KI-gestützte Verarbeitung eingehender Lieferantenzeugnisse

Dies ist der wohl bedeutendste KI-Anwendungsfall, den SAP aktuell im QM-Bereich der Public Cloud liefert – und ein Bereich, in dem die Public Cloud der Private Cloud bereits deutlich voraus ist.

Das bisherige Problem

Der Zeugniseingangsprozess ist in der Praxis oft mühsam: Der Qualitätsprüfer muss den richtigen Zeugniseingangssatz in SAP manuell suchen, Lieferant, Charge, Bestellnummer und Lieferungsnummer manuell abgleichen und erst dann die Ware freigeben. Solange das nicht erledigt ist, bleibt das Material im Qualitätsprüfbestand gesperrt – und die Produktion wartet.

Der neue KI-gestützte Prozess

Mit dem neuen KI-Use-Case wird dieser Prozess grundlegend beschleunigt:
  1. Wareneingang erzeugt wie bisher automatisch ein Prüflos und einen Zeugniseingangssatz – beide zunächst gesperrt, da das Zeugnis noch aussteht.
  2. Zeugnis hochladen – der Prüfer öffnet die App „Manage Certificates Receipt“ und startet den Upload. Das ist der einzige manuelle Schritt.
  3. Subdocument AI extrahiert automatisch alle relevanten Daten aus dem Dokument: Lieferant, Charge, Bestellreferenz, Lieferungsnummer und weitere Felder.
  4. Automatisches Matching – bei erfolgreichem Treffer wird der Zeugniseingang automatisch bestätigt, das Dokument dem Objekt zugeordnet und das Prüflos freigegeben.
  5. Transparenz und Fehlerbehandlung – ein dedizierter „Certificate Document Match“-Screen zeigt, welche Felder extrahiert wurden, was das System daraus ermittelt hat und – im Fehlerfall – die entsprechende Fehlermeldung. Korrekturen können direkt vorgenommen und das Matching erneut gestartet werden.

Was passiert, wenn das Zeugnis nicht lesbar ist?

Zerrissene, verschmutzte oder unvollständige Dokumente sind in der Praxis keine Seltenheit. Für diesen Fall schlägt das System automatisch passende Zeugniseingangssätze zur manuellen Auswahl vor. Das Matching kann danach erneut angestoßen werden, ohne mühsame Suche im System.

Mobile First: Integration in SAP Mobile Start

Der KI-Use-Case ist vollständig in die native Mobile-App SAP Mobile Start integriert. Prüfer können direkt mit ihrem Smartphone ein Foto des Zeugnisses aufnehmen, die KI-Verarbeitung läuft identisch wie im Browser-Frontend. Gerade in Wareneingangs- und Produktionsbereichen, wo stationäre Arbeitsplätze nicht immer verfügbar sind, ist das ein echter Mehrwert.

Technischer Hintergrund

Technisch basiert der Use-Case auf SAP Document AI, einer BTP-Komponente, die plattformübergreifend in SAP eingesetzt wird – unter anderem auch für das Einlesen von Eingangsrechnungen oder Wareneingangsbelegen.

Was noch kommt

Aktuell extrahiert die KI Identifikationsdaten, um den richtigen Zeugniseingangssatz zu finden. Merkmalswerte oder ein automatischer Spezifikationsvergleich sind noch nicht enthalten. Dieser Use-Case – also die automatische Übernahme von Prüfergebnissen aus dem Lieferantenzeugnis ins Prüflos – ist jedoch bereits im Produktbacklog und wird von Kunden aktiv nachgefragt.

Schwerpunkt 2: Neue Fiori App „Complaint against Supplier“

Die Lieferantenreklamation ist ein zentraler Prozess im Qualitätsmanagement – und war bisher in der Public Cloud noch nicht als vollständige Fiori-App verfügbar. Das ändert sich jetzt.

Was die neue App kann

  • Anlage einer Lieferantenreklamation mit Kurz- und Langtext, Datum (geplanter Start, geplantes Ende), Referenznummer und Terminierung
  • Zuordnung von Defects (1:n – ein Complaint kann mehrere Defekte umfassen)
  • Interne und externe Rollen: Koordinator, beteiligte Personen intern sowie externe Lieferantenkontakte
  • Folgeaktionen: Report an den Lieferanten senden, Rücklieferung mit Rücklieferbestellung anstoßen, Material verschrotten
  • Output: Ausdruck, E-Mail-Versand (Empfänger wird automatisch über den Lieferanten ermittelt) und XML-Übertragung über das externe Output Management
  • Statusverfolgung und geordneter Abschluss des Complaints

Was noch geplant ist

Für kommende Releases ist unter anderem geplant:
  • Anlage der Lieferantenreklamation direkt aus der Defect Worklist heraus
  • Durchgängige Serialnummernverarbeitung am Defekt
  • Integration der Lieferantenreklamationen in die Lieferantenbeurteilung
  • OData APIs, RAP BOs und Joule-Enablement für die neue App

Roadmap für SAP QM in der Public Cloud: Was Qualitätsmanager als Nächstes erwartet

Die Roadmap zeigt eine klare Priorität: Feature Parity mit der klassischen Transaktion sowie die schrittweise Erschließung neuer Themen, die insbesondere für regulierte Branchen relevant sind.

Änderungsbelege

Für Verwendungsentscheid, Ergebniserfassung und weitere Prozesse – direkt GxP-relevant.

Ausbau der Verwendungsentscheid-App

Prüfabschluss, Zertifikatsbestätigung, Chargenstatus, Best-Before-Date, Reason for Movement und Serialnummern.

Neue Managed Inspection Lots App

Neuaufbau auf aktuellem Tech-Stack für bessere Performance und Zukunftssicherheit.

Prüfpunktergebniserfassung

Erweiterung auf alle Prüflosarten und -herkünfte, bisher nur Produktions- und zeitbezogene Lose.

E-Signatur

Start mit der Verwendungsentscheid-App – digitale Signatur im Fiori- und Cloud-Umfeld. Besonders der Punkt Änderungsbelege ist für Unternehmen in regulierten Branchen von hoher Relevanz: Er schafft die Grundlage für GxP-konforme Nachvollziehbarkeit direkt in den Fiori-Apps – ohne Rückgriff auf klassische Transaktionen.

KI-Agenten im SAP QM: Der nächste Schritt in der Public Cloud

SAP arbeitet aktuell an mehreren KI-Agenten für das QM-Umfeld der Public Cloud. Folgende Use-Cases befinden sich in der Entwicklung oder konzeptionellen Planung:

Prüfplanungs-Agent

Unterstützt bei der Anlage neuer Materialien: Der Agent erkennt ähnliche Materialien, schlägt bestehende Prüfpläne zur Wiederverwendung vor und empfiehlt Toleranzgrenzen. Laut SAP ist dieser Use-Case bereits weit fortgeschritten.

Non-Conformance-Agent

Defects werden proaktiv vorbereitet – der Agent schlägt passende Klassifikationen, Maßnahmen und Lösungen aus vergangenen, ähnlichen Fällen vor.

Inspection Prioritization Agent

Priorisierung der Prüfvorratsliste nach Kriterien wie Fehlteilen, Ablaufdaten oder Problemhäufigkeit bei bestimmten Lieferanten.

Merkmalsableitung aus Fehlern

Werden bei der Ergebniserfassung Fehler erfasst, könnte der Agent daraus neue Prüfmerkmale ableiten und in den Prüfplan integrieren.

Spezifikationsvergleich aus Lieferantenzeugnissen

Automatische Übernahme und Abgleich von Merkmalswerten aus dem Zeugnis mit den internen Spezifikationen – noch kein hartes Commitment, aber im Backlog und von Kunden stark nachgefragt.

Fazit: Die Public Cloud als Vorbote künftiger QM-Innovation

Die Public Cloud zeigt, wo die Reise im SAP Quality Management hingeht: weg vom manuellen, dokumentenzentrierten Prozess – hin zu automatisierten, KI-gestützten Abläufen, die Qualitätsprüfer entlasten und Durchlaufzeiten verkürzen. Die KI-gestützte Zeugnisverarbeitung ist ein konkretes, bereits produktiv nutzbares Beispiel dafür, wie sich der Arbeitsalltag von QM-Teams in den nächsten Jahren verändern wird.

Für Unternehmen in regulierten Branchen ist dabei besonders die geplante Einführung von Änderungsbelegen und der E-Signatur ein wichtiges Signal: SAP nimmt die GxP-Anforderungen ernst und arbeitet schrittweise daran, auch im Fiori- und Cloud-Umfeld die notwendigen Compliance-Grundlagen zu schaffen.

Was bedeutet das für regulierte Unternehmen?

Für Unternehmen in Life Sciences, Pharma, Chemie oder Medizintechnik ist die Public Cloud im SAP QM nicht nur technologisch interessant. Sie ist vor allem ein Frühindikator dafür, welche Innovationen mittelfristig auch für andere Betriebsmodelle relevant werden können.

Gerade bei Themen wie KI im Qualitätsmanagement, Lieferantenreklamation in SAP, Änderungsbelegen, E-Signatur und Fiori-basierten QM-Prozessen lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Public Cloud-Roadmap.

SAP QM in der Public Cloud strategisch bewerten

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FAQs

Häufige Fragen SAP QM Public Cloud, KI und GxP

Zu den zentralen Neuerungen gehören die KI-gestützte Verarbeitung eingehender Lieferantenzeugnisse, die neue Fiori-App für Lieferantenreklamationen, Joule-Integration in QM-Apps sowie Roadmap-Themen wie Änderungsbelege, E-Signatur und KI-Agenten.

Die Public Cloud fungiert im SAP Quality Management als Innovationsmotor. Neue Funktionen und KI-Use-Cases erscheinen dort früher als in der Private Cloud und geben damit einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.

Sie beschleunigt den Zeugniseingangsprozess, reduziert manuelle Such- und Abgleichsschritte und entlastet Qualitätsprüfer im Wareneingang. Gleichzeitig kann sie dazu beitragen, Wartezeiten in nachgelagerten Prozessen zu verkürzen.

Beide Themen sind für GxP-regulierte Unternehmen besonders relevant, weil sie Nachvollziehbarkeit, Compliance und auditfähige Prozesse im Fiori- und Cloud-Umfeld stärken.

Die neue Fiori-App ist verfügbar und deckt zentrale Funktionen ab. Weitere Erweiterungen wie die Integration in die Defect Worklist, Joule-Enablement oder OData-APIs sind bereits geplant.
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