Rückblick zum 7. Tuttlinger MedTech-Forum „Industrie 4.0 – Potenziale und Konzepte in der Medizintechnik"

2. Oktober 2015

Nachlese zur Medizintechnik-Konferenz vom 17. September 2015

Bereits zum siebten Mal folgten am 17. September 2015 mehr als 60 Teilnehmer der Einladung von DHC Dr. Herterich & Consultants zum Tuttlinger MedTech-Forum, einer IT-Konferenz für die Medizintechnik. Thema der diesjährigen Veranstaltung war „Industrie 4.0 – Potenziale und Konzepte in der Medizintechnik“. Dazu gab es Fachvorträge des Fraunhofer Instituts, der SAP, des SPECTARIS Fachverbands, der Reusch Rechtsanwälte und der DHC sowie Praxisberichte der Industrieunternehmen Harting und Endress+Hauser Messtechnik.

Nach der Begrüßung durch Matthias Bothe, Geschäftsführer der DHC, und Julia Steckeler, Projektleiterin bei Medical Mountains, hielt Andreas Bildstein vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA die Keynote. Er beschrieb den Weg, der durch immer individuellere Produktanforderungen des Kunden zu Preisen und Lieferzeiten der Massenfertigung geprägt ist, bis hin zu Industrie 4.0. Möglich wird die vierte industrielle Revolution durch immer bessere Technologien, aber auch erhöhte Rechnerleistungen und eine stärker werdende Vernetzung der Teilnehmer. Bildstein stellte einige Beispiele aus dem Fraunhofer Institut vor, wie z. B. mobile, selbstfahrende Roboter oder Lagerbehälter, die in Echtzeit Aussagen über ihren Zustand geben können. Er empfahl den Teilnehmern, nachzudenken „wie man Produkte durch Services ergänzen kann, die hilfreich sind, aber nicht ganz auf der Hand liegen“, oder auch durch welche Ideen existierende Geschäftsmodelle ergänzt bzw. neue Produkte entstehen können.

Tony Aschwanden von der SAP Schweiz stellte die „Industrie 4.0“-Strategie der SAP vor und zeigte auf, wie man das Internet der Dinge mit SAP Lösungen nutzbar machen kann. Als klaren Erfolgsfaktor sieht er, dass die Unternehmen in neue Szenarien investieren und innovativ bleiben, denn „man weiß nie woher die Konkurrenz kommt,“ so Aschwanden.

Über die neuen Anforderungen, die an Messgeräte in der Produktion gestellt werden, sprach Andreas Schiefelbein von Endress+Hauser Messtechnik. Die größte Herausforderung sieht er darin, dass Unternehmen flexibler auf Kundenanforderungen reagieren müssen. Als Ansatzpunkte nannte er hier Anlagen, die sich dynamisch rekonfigurieren lassen und eine Vernetzung von Informationen, die eine hohe Verfügbarkeit der Anlage gewährleisten kann. Die in den Anlagen verbauten Messgeräte bzw. Sensoren können Informationen über ihren eigenen Zustand liefern und bei Überschreitung eines Grenzwertes Alarmketten auslösen. Die messbaren Informationen sind jedoch sehr vielfältig, so dass schnell große Datenmengen entstehen können. Für die Unternehmen ist jedoch von enormer Bedeutung, frühzeitig festzulegen, welche die für sie relevanten Informationen sind und wie diese verarbeitet bzw. aggregiert werden können, so dass sie auch sinnvoll in übergeordnete System, wie ERP Systeme, übertragbar sind .

Alexander Braun von HARTING IT System Integration stellte im Anschluss eine Möglichkeit vor, diesen großen Datenmengen Herr zu werden und sie so z. B. auch für die vorbeugende Instandhaltung zu nutzen. HARTING hat hierzu Neuronale Netze in einem Industrie PC entwickelt, der direkt mit der Maschine verbunden ist und dort auch die Signale abfängt. Die Daten können entweder direkt verdichtet (Sensor to action) oder in eine SAP HANA Datenbank laufen, um dort weiterverarbeitet zu werden. Durch die Prognose zukünftiger Entwicklungen kann man so von einer periodischen zu einer bedarfsorientierten, vorbeugenden Instandhaltung kommen.

Philipp Reusch von Reusch Rechtsanwälte erläuterte in seinem Vortrag die regulatorischen Anforderungen, denen sich die Medizinproduktehersteller im Zusammenhang mit Industrie 4.0 stellen müssen. Zurzeit gibt es keine regulatorische Basis für die Konformität von individuell gefertigten Produkten, eventuell greifen hier die Richtlinien bei Sonderfertigung. Die stärke Vernetzung zwischen Hersteller und Lieferant können aber auch zu weiteren Herausforderungen führen. „Maschinen, die bestellen, lösen Vorgänge aus, die das Deutsche Bürgerliche Gesetzbuch nicht kennt“ so Reusch.

Die aktuelle Branchensituation der Medizintechnik beschrieb Marcus Kuhlmann vom SPECTARIS Fachverband. Als wesentliche Herausforderung nannte er die Tatsache, dass immer mehr Länder eigene Zulassungssysteme für Medizinprodukte schaffen und es damit für die Hersteller komplexer wird, ein Produkt weltweit zuzulassen. Auch wies er auf Änderungen in der Marktstruktur hin. So kaufen sich beispielsweise klassische IT-Unternehmen, wie Google und Apple, in der Medizintechnik ein. Damit bestätigte er einen Trend, der auch zu Beginn der Veranstaltung zu hören war, dass zunehmend auch mit branchenfremder Konkurrenz zu rechnen ist.

Den Abschluss der Veranstaltung machte Christian Neu von der DHC. Er fasst die Ergebnisse der Veranstaltung noch einmal zusammen und beschrieb mögliche Industrie 4.0 Szenarien für die Medizintechnik. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass es nicht das Konzept oder den Lösungsansatz für die Medizintechnik geben wird. Die Unternehmen müssen sich sehr genau mit ihren Potenzialen auseinandersetzen und Wege identifizieren, wie sie ihre Produktion schrittweise und kostengünstig mit Technologien der Industrie 4.0 ausstatten können.

 

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